Fehler machen aber richtig – ein Perspektivwechsel

Cover Extended Ralf Schmitt

Dieser Artikel erschien im Original in der Zeitschrift: EXTENDED – Wissen begeistert.

Fehler nerven. Sie kosten Zeit, Geld und Energie und manchmal auch den Kopf. Dass Fehler, und vor allem eine positive Fehlerkultur, Unternehmen jedoch nachhaltig erfolgreich machen, davon ist Ralf Schmitt, Experte für Flexibilität und Geschäftsführer der Impulspiloten GmbH überzeugt. 

Fehler haben einfach ein durchweg schlechtes Image. Man möchte keine in seinem Privatleben verursachen und schon gar keine beruflichen Fehler begehen. Wir leben in einer Zeit, in der wir alle Bereiche des Lebens bestmöglich optimieren. Der Körper ist fit, die Ernährung auf dem neuesten Stand der Wissenschaft. Frauen sollen schön, beruflich erfolgreich und dabei gute Mütter sein. Von Männern wird erwartet, dass sie durchtrainiert, zielstrebig  und Macho sind, während sie gleichzeitig Elternzeit nehmen. Zeitgleich optimiert die Wirtschaft Prozesse, verschlankt Organisationen und lagert Abteilungen aus.  Damit werden in unserer modernen Arbeitswelt Innovationen und Geschwindigkeit zu Faktoren, die sich in einer Spirale immer weiter nach oben schrauben. Über allem schwebt dabei die Null-Fehler-Toleranz, um als Unternehmen auf den globalen Märkten und in der digitalen Welt mithalten zu können.  

Fehler sind nicht das Ende – sondern der Anfang!

Doch gerade diese Entwicklung manövriert uns in eine Zwickmühle. Null-Fehler-Toleranz bei permanentem Optimierungs- und Innovationsdruck, um konkurrenzfähig zu bleiben?
Das geht nicht. 

Kurz gesagt: Ohne Fehler – kein Ansatz für Innovationen. Und ohne Risikobereitschaft keine Chance auf Kreativität. Nur wer bereit ist, sich ins Ungewisse zu stürzen, kann einen kreativen Prozess starten. Gleichzeitig setzt man sich damit einem nur sehr bedingt kalkulierbaren Fehlerrisiko aus. Letzten Endes fallen nun einmal Späne, wo gehobelt wird. 

Gestern richtig? Heute falsch!

positive Fehlerkultur

Das ist Ihnen zu riskant, sagen Sie? Geht es denn nicht auch jahrzehntelang bewährt, – ohne Innovationsdruck, fragen Sie? Nun – ich fürchte nein. Schauen Sie sich unsere moderne Welt an. Sie entwickelt sich rasend schnell. Die Kommunikation- und Innovationsgeschwindigkeit nimmt rasant zu. Durch globales Denken und Arbeiten werden Prozesse um ein Vielfaches komplexer. Damit müssen Entscheidungen schneller getroffen werden und haben weitreichendere Auswirkungen.
Sie haben eine Standardlösung – schön für Sie. Wenn sich jedoch ständig alles verändert, ist das, was gestern noch richtig war, heute nicht unbedingt auch noch richtig – und morgen sowieso nicht mehr. 

Wenn es immer häufiger zum täglichen Arbeiten dazu gehört, dass Ausnahmen zur Regel werden – dann ist Flexibilität gefragt. Schnelles und flexibles Handeln ohne verlässliche Rahmenbedingungen ist jedoch nur möglich, wenn wir dabei Fehler als unvermeidbarer Faktor mit einkalkulieren. 

Angst vor Fehlern weckt „Kaninchen-Feeling“

Wer bereit ist, Fehler als unvermeidbar zu akzeptieren, der macht den ersten Schritt hin zu einer positiven Fehlerkultur. Damit sollen Fehler kein Freibrief für achtloses Verhalten sein. Vielmehr soll eine vertrauensvolle Basis geschaffen werden, die eine stabile Grundlage für langfristig erfolgreiche Unternehmen bietet.  

Der Wunsch eines jeden Vorgesetzten sind Mitarbeiter, die mitdenken, kreative Lösungen finden und bereit sind Entscheidungen zu treffen, für die sie auch Verantwortung übernehmen. Die größte Bremse, diese Fähigkeiten auch anzuwenden, ist jedoch die Angst Fehler zu machen. 

Wer Angst hat, trifft keine Entscheidungen, sondern bleibt passiv – wie das Kaninchen im Scheinwerferlicht des heranrasenden Autos.
Man guckt nicht mehr auf das große Ganze, sondern ist mit sich selbst beschäftigt – um nur nichts falsch zu machen.
Dabei wird die Energie nicht zum Aufdecken von Fehlern verwendet, sondern mit allen Kräften versucht, sie zu vertuschen. 

Und warum? Weil wir es so gelernt haben: Fehler werden bestraft. Mit schlechten Noten und Hausarrest oder später mit Gesichtsverlust und Karriereaus. 

Ein Fehler –  ist ein Fehler –  ist eine Lernchance!

Um eine positive Fehlerkultur zu etablieren, müssen wir alte Denkmuster nach und nach auf den Kopf stellen und der Fehler an sich aus einer neuen Perspektive betrachten.
Denn, wenn sich die Rahmenbedingungen in unserer täglichen Arbeitswelt permanent verändern, muss sich auch unser Verständnis von einem Fehler anpassen. Fehler zeigen uns Lücken in unserem System. Erst wenn wir es schaffen, sie als Lernchancen anzunehmen und sie in den innerbetrieblichen Weiterbildungsprozess einzubinden, können nachhaltige Innovationen entstehen und Prozesse verbessert werden.  

Klare Fehlerkultur – machen Sie aus Misserfolgsvermeidern Erfolgssucher

Fehlerkultur macht nachhaltig erfolgreich

In diesem Prozess des Umdenkens müssen Fehler nicht unsere besten Freunde werden, aber vielleicht schaffen wir es, sie als unliebsame Verwandte anzusehen. Sie tauchen unangemeldet auf und man muss mit ihnen umgehen, weil sie eben zur Familie dazu gehören. 

Dabei sollen wir Fehler weder feiern noch entschuldigen, sondern sie als Anlass für Veränderung und zur Ursachenforschung nachhaltig nutzen.  Die Basis für eine positive Fehlerkultur ist dabei Offenheit und eine gute Kommunikation. Dazu müssen wir flexibel im Kopf werden und klar auf der Sachebene kommunizieren, um Emotionen von der Reaktion auf einen Fehler zu trennen.
Wichtig ist, es geht dabei immer um das Tun eines Mitarbeiters und nicht um seine Person und damit um seinen Selbstwert. Das setzt voraus, dass Sie als Vorgesetzter von einem positiven Menschenbild bei Ihren Mitarbeitern ausgehen. Damit vertrauen Sie Ihren Untergebenen, dass sie ihre Ziele für sich und das Unternehmen auch erreichen wollen. 

Sind Fehler und damit die Unzulänglichkeiten der Mitarbeiter erst einmal im Unternehmen als Tatsache akzeptiert, muss für jeden Mitarbeiter klar sein, was ihn nach einem Fehler erwartet.

Nicht Fehler bestrafen – sondern ihr Vertuschen

Taucht ein Fehler auf, sollte die erste Frage immer lauten: „Wie lange wissen Sie schon davon?“. Sie macht uns gleich zwei Punkte deutlich: Zum einen, dass jeder im Unternehmen Verantwortung trägt, ob er einen Fehler selbst verschuldet, oder den eines Kollegen entdeckt. Zum anderen, dass Schuld nicht darin besteht, dass ein Fehler passiert ist, sondern stattdessen, diesen nicht gemeldet oder durch rechtzeitiges Eingreifen verhindert zu haben. Was darauf folgt sollte ein transparenter Fehlermanagementprozess sein, um Fehler nachhaltig für das Unternehmen zu nutzen.

So lange sie in ihrem Unternehmen jedoch noch Ihre Energie darauf verwenden, über die Schuldfrage zu diskutieren, können sie nicht an einer Lösung des Problems arbeiten. Diese veraltete Sündenbock-Kultur schützt nur das dahinterliegende, mangelhafte System im Umgang mit Fehlern. Werden Sie flexibel im Kopf, wechseln Sie die Perspektive und nutzen Sie Ihre Ressource Fehler.

Bis dahin – bleibt flexibel

Euer Ralf Schmitt

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Wir sehen uns – bis dahin
Bleib flexibel
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